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Seifensieden ohne Palmöl und Co.

Regionale Rezepte für Seifen ohne Palmöl

Um palmölfreie Seifen bzw. palmölfreie Produkte wird viel Werbung betrieben, daher erkundigen sich die Teilnehmer*innen meiner Seifensiederkurse oft im Vorfeld ob im Kurs auch palmölfreie Rezepte verwendet werden.

Obwohl ich selbst kaum Palmöl verwende (und konsumiere), finde ich manchen Zugang zu dem Thema sehr einseitig: Bei Palmöl in Seifenrezepten wird schnell aufgeschrien, wenn es sich im Speiseeis oder in Keksen befindet, dann sieht man darüber hinweg.

Das Palmöl ist der Bösewicht, das Kokosöl nicht - oder etwa doch?

Seifensieden ohne Palmöl und Co.

Palmöl befindet sich mittlerweile in fast jedem zweiten Produkt im Supermarkt (Quelle: Codecheck.info): in Fertigprodukten, in Kosmetika (unter anderem aus Seifen), Reinigungsmitteln und vielen mehr, oft auch getarnt als „Pflanzenöl“.

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Palmöl haben sich viele Probleme rund um den Anbau dessen aufgetan:

  • Die Rodungen – oftmals durch Brand – für Palmölplantagen zerstören den Lebensraum vieler Tierarten.
  • Häufig werden Einwohner gewaltsam von Ihrem Land vertrieben um Palmölplantagen zu errichten. 
  • Ausbeutung von Arbeitskräften im Anbau ist nicht unüblich.
  • Der Anbau in Monokulturen ist eine Belastung für die Umwelt 

Der Fingerzeig auf den Bösewicht Palmöl ist nicht ganz unbegründet – leider ist die Suche nach Alternativen keine Lösung für das Problem – die Lösung könnte eine ganz andere sein. Aber lass mich mal von vorne anfangen:

Warum wird Palmöl gerne in Seifenrezepten verwendet?

Palmöl sorgt für wasserstabile Seifen. Jene Seifen weichen sich nicht so schnell beim Waschen auf, sie bleiben fester und verbrauchen sich nicht so schnell. Weiters sorgt Palmöl für einem stabilen und cremigen Schaum. 

Bitte nicht fehlinterpretieren, Palmöl ist kein Öl das viel Schaum produziert! Es enthält fast 40 % Ölsäure (oleic) und sorgt dadurch für viel Pflege und milde Seifen. Es ist auch ein ranzstabiles Öl, dadurch wird der Seife eine lebensverlängernde Komponente hinzufügt.

Seifensieden ohne Palmöl und Co.

In der Lebensmittelindustrie wird Palmöl gerne verwendet, weil es geruchsneutral ist und somit jeder Speise zugesetzt werden kann. Es ist bei Zimmertemperatur fest und trotzdem streichfähig und vor allem günstig.

Kokosöl als Alternative zum Palmöl?

Die Unbeliebtheit des Palmöls machen sich alternative Produkte zu Nutze bzw. deren Vermarkter. Werfen wir mal einen Blick durch die Seifenbrille auf das Palm- und das Kokosöl im Vergleich:

Seifensieden ohne Palmöl und Co.

 

Gemäß Fettsäurezusammensetzung zeichnet das Palmöl ein hoher Anteil an Ölsäure und an Palmitinsäure aus. Beim Durchsehen der Fettsäurezusammensetzung einer umfassenden Liste von Ölen konnte ich einen hohen Anteil – sowohl der Ölsäure als auch der Palmitinsäure – nur bei den tierischen Fetten feststellen. Als beste Alternative (um sehr ähnliche Eigenschaften in der Seife zu erhalten) eignen sich: Rindertalg und Schweineschmalz (auch Hühner- und Hasenfett), sofern man tierische Produkte zu sich nehmen oder verwenden möchte.

Ebenso könnte man einen hohen Anteil an Palmitinsäure und Ölsäure durch eine Ölmischung erreichen. Viele pflegende Öle – allen voran Olivenöl und Rapsöl – haben einen hohen Anteil an Ölsäure (Stichwort: high oleic = ölsäurereich). Die festen Butter Kakaobutter und Kaffeebutter (preisintensiv) haben einen hohen Anteil an Palmitinsäure. Man könnte mit einer Mischung z.B. aus Olivenöl und Kakaobutter ähnliche Eigenschaften wie Palmöl (also die Erzeugung von wasserstabilen Seifen) erzielen. Auch Reiskeimöl verfügt (zwar nicht in dem Ausmaß wie Palmöl aber dennoch erwähnenswert) über höhere Anteile an Palmitin- und Ölsäure.

 

 

Kokosöl ist ein Schaumöl (so wie das Babassuöl und das Palmkernöl), es erzeugt sehr schäumende und reinigende Seifen aufgrund des hohen Anteils an Laurinsäure. Da es über einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren verfügt (das haben feste Fette und Butter so an sich), erzeugt es auch eine feste Seife.

 

Auch wenn das Kokosöl auf kulinarischer Ebene eine Alternative zum Palmöl ist (trotz geschmacklicher Abweichungen), hat es durch die Fettsäurezusammensetzung andere Eigenschaften in der Seife als Palmöl.

 

Wenn generell Palmöl durch Kokosöl ersetzt wird, dann steigt die Nachfrage nach Kokosöl und die sozialen Probleme verlagern sich auf den Anbau von Kokospalmen, die pro Hektar in etwa nur 20 % des Ertrages der Ölpalme liefern. Die Ölpalme ist mit Abstand weltweit die ertragreichste Ölfrucht (Quelle: Ökotest) – nur weil das Kokosöl keinen so schlechten Ruf hat wie das Palmöl, ist es nicht unbedingt nachhaltiger. 

Das Problem mit den Alternativen

 

Ich kann ganz gut auf Palmöl in meinen Seifen verzichten – mein Anspruch wäre aber generell auf Öle zu verzichten, die mehr Flugmeilen als ich auf dem Konto haben. Allem voran das Kokosöl, leider wachsen Alternativen mit Laurinsäure nicht auf heimischen Bäumen und Schaum- und Reinigungskraft stehen in der Beliebtheitsskala bei Seifen ganz oben. 

 

 

Natürlich kann man auch mit anderen Ölen gute Seifen machen – auch 100 % Olivenölseifen haben Vorzüge, wenn auch nicht  bei der Schaumqualität. 

 

Nichtsdestotrotz habe ich einige Ideen für gute Rezepte mit heimischen Ölen – wobei sich die Heimat quer über Europa erstreckt – und ich auch auf Schaumqualität Wert lege. 

Seifensieden ohne Palmöl und Co.

 

Lass dich überraschen, ich beschreibe und teste nun regelmäßig neue Rezepte mit Rohstoffen aus Europa, vielleicht ist auch eines für dich dabei und es lässt dich auf weit gereiste Öle verzichten.

 

Regionale Seifenrezepte

Im Blog sind REZPTE als jene gekennzeichnet – bei den Rezepten die Alternativen zu weit gereisten Ölen beinhalten, habe ich das Symbol mit der Seifenblase im Pin hinzugefügt, dann kannst du jenes auf einen Blick erkennen. 

 

Das Rezept mit Mandelbutter und Sanddornfruchtfleischöl ist das erste der getesteten Rezepte ohne viele Flugmeilen auf dem Konto!

Regionale Seifenrezepte

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Seifensieden lernen mit Diane Schmid

2 Antworten

  1. Hallo liebe Diane!
    Ich finde deine Idee super und bin grundsätzlich deiner Meinung.
    Jedoch gibt es für mich schon einen Unterschied :
    Palmöl in Lebensmittel und andern gekauften Produkten vermeide ich so gut es geht.
    Wenn ich Öle und Fette zum Seifensieden verwende, kann ich aber schon genau hinterfragen, wo und aus welchem Anbau es kommt.
    Sowohl bei Palmöl als auch bei Kokosöl gibt es nachhaltige, faire Anbauten.

    Nichts desto trotz bleiben natürlich die Flugmeilen ein bitterer Beigeschmack.

    Und dann ist mir auch wichtig, bei europäischen Ölen auf Nachhaltigkeit zu achten, Stichwort Mandelbaumplantagen.

    Alles in allem ist jeder einzelne Gedanke und Schritt in Richtung Nachhaltigkeit der Richtige 😊🤗❤️
    Danke für deine tollen Beiträge und Seifen 🥰
    Liebe Grüße Heike

    1. Liebe Heike,

      ich bin genau deiner Meinung – bei allen Produkten die man kauft auf faire Bedingungen für Mensch und Umwelt achten. Auch bei den Lebensmitteln gibt es entsprechende Kennzeichnungen.
      Jeder Gedanke an die Umwelt zählt und jeder Kilometer, den man mit dem Rad fährt, geht oder weniger Transport in Anspruch nimmt, zählt auch.
      Irgendwie kann eh nicht immer alles richtig machen, es gibt halt so viele Faktoren mit unterschiedlichen individuellen Gewichtungen – aber es an vielen Enden zu versuchen, das macht schon was aus!
      Außerdem liebe ich auch die experimentelle Seite von diesem Projekt!

      Ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut,
      Alles Liebe, Diane

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