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Ein Seifen-Fail der besonderen Art, die Seife ist ausgelaufen

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Hilfe, meine Seife ist zu weich zum Ausformen!

Ich feiere neunjähriges Siede-Jubilläum und bin nach geschätzten – mehr als 500 Seifen (oder noch mehr??) immer noch so verliebt in die Seifenherstellung wie zu Beginn. Bei so vielen Seifen musste ich bereits unzählige Herausforderungen bewältigen … aber lies selber!

Table of Contents

Ich bekomme nach meinen Kursen in der digitalen Austauschgruppe viele Fragen, bei denen es sich um weiche Seifen dreht. Ich habe mir die Fragen zum Anlass genommen, einen Blogpost darüber zu schreiben. Also hier mal ein kleiner Seifen-Crashkurs zum Thema "zu weiche Seife zum Ausformen". Die Kapitel habe ich in Fragen eingeteilt, weil die Antworten auch recht unterschiedlich sind. Beginnen möchte ich mal mit den Basics.

Alles beginnt ganz normal, wie immer.

Kaltgesiedete Seife wird flüssig bis dickflüssig in die Seifenform eingefüllt und manchmal auch katastrophal dick in die Seifenform hinein gespachtelt (häufig passiert das ungewollt, dazu später). Ab dem Zeitpunkt, wo man die Lauge zu den Ölen püriert und die Masse emulgiert, spricht man vom “Seifenleim” (bitte NICHT “Seifenschleim”, da gibt es manchmal Missverständnisse).

Wenn der Seifenleim schön flüssig ist, kann man wunderschöne Muster gestalten (im Seifenjargon: Muster “swirlen”). Manchmal möchte man den Seifenleim auch dicker haben, zum Beispiel wenn man Schichten gießt. Wären die Schichten ganz dünnflüssig, dann würde die obere Schicht beim Gießen die untere Schicht zerstören. 

Leider wird der Seifenleim häufig ungewollt dickt. Da gibt es viele Stellschrauben, an denen man drehen kann (ich habe zu diesem Thema einen eigenen Seifensieder*innen Kurs für Fortgeschrittene entwickelt, “Swirltechniken”, wo sich alles darum dreht, wie der Seifenleim so lange wie möglich flüssig bleibt. Und hier sind wir schon mitten im Thema.

Seifenleim ist Seife bevor sie fest geworden ist

Warum wird meine selbst gemachte Seife nicht fest?

(1) Überprüfe welche Lauge du verwendet hast! Ich habe die Frage einmal auf meinem Instagram Account erhalten – da ist die erste selbst gesiedete Seife einer Followerin nicht fest geworden. Ich habe gleich nachgefragt, welche genaue Produktbezeichnung die Lauge hat – “Ätzkali” stand drauf. Diese Verwechslung kann dir am Anfang deiner Siedekarriere sehr leicht passieren. Wenn du feste Stücke naturgesiedeter Seife nach dem Kalt- oder Heißsiedeverfahren herstellen möchtest, dann musst du Natriumhydroxid (kurz: NaOH oder auch als Ätznatron bezeichnet) zum Sieden verwenden. Jene Lauge ist nicht gleichzusetzen mit (Back-)Natron (auch wenn manchmal der Betriff Natronlauge für NaOH-Lauge verwendet wird). 

Eine kleine Anekdote an dieser Stelle: Laugenbrezeln kann man sowohl mit (Back-)Natron als auch mit (lebensmittelechtem) Natriumhydroxid herstellen. Ich habe das mal gemacht und mein Natriumhydroxid vom Seifensieden verwendet. Man verwendet dazu eine sehr geringe Konzentration, es handelte sich um eine 4%-ige Lauge. Ich war ganz verwundert, wie die Bäcker*innen mit NaOH umgehen (die Anleitung war ohne Schutzbrille). Die Brezen haben sehr lecker geschmeckt!

Wieder zum Thema: Es gibt neben dem Natriumhydroxid auch das Kaliumhydroxid (KOH oder Ätzkali genannt) mit dem man Lauge herstellen kann. Man verwendet Ätzkali zum Sieden von Flüssigseife, die wird nie fest. Verwende zur Herstellung von festen Seifenstücken immer Natriumhydroxid (oder NaOH und KOH bei der Mischverseifung).

Ich habe Natriumhydroxid als Lauge verwendet - warum wird die Seife nicht fest?

Würdest du mir diese Frage stellen, dann hätte ich noch weitere Fragen um dir eine Antwort geben zu können:

Ist deine Seife ungleichmäßig weich, bzw. ist der obere Teil des Seifenblocks flüssig (bzw. sehr weich) und der untere Teil fest?

(2) Es kann vorkommen, dass sich der Seifenleim trennt: Das was vorher eine Emulsion war und Wasser (bzw. Lauge) und Öle verbunden hat, trennt sich wieder. Wie beim Salatdressig: Das Öl schwimmt oben.

Das kann unterschiedliche Gründe haben: Das kann passieren, wenn die Seife zu heiß wird, aber auch wenn die Seife sehr flüssig gegossen (und danach kalt gestellt) wurde oder wenn die Flüssigkeitsmenge (z.B. destilliertes Wasser, Kaffee, etc.) für die Lauge zu hoch gewählt wurde (gemäß Kevin Dunn, Autor des Buches “Scientific Soapmaking” steigt die Wahrscheinlichkeit dass sich der Seifenleim trennt, ab einer Flüssigkeitsmenge von 50 % in Prozent der Gesamtfettmenge). 

Deine Seife ist gleichmäßig weich. Wie lange ist es her, dass du deine Seife gesiedet hast?

(3) Hast du deine Seife gestern gegossen und die Seife ist heute noch weich? Es kann auch einige Tage dauern, bis die Seife fest genug ist zum Ausformen. Warte mal mindestens 3 bis 5 Tage und forme sie dann aus.

Ist deine Seife eine Woche nach dem Sieden immer noch zu weich zum Ausformen?

(4) Du kannst die Seife in der Form auch einfrieren. Lass die Seife rd. 45 Minuten im Gefrierfach und dann 15 Minuten antauen. Dann bildet sich Kondenswasser zwischen der Seife und der Seifenform und du kannst sie einfacher ausformen. 

(5) So, du hast deine Seife mit der Einfriermethode ausgeformt und die Seife ist sehr weich. Wiege mal den gesamten Seifenblock (oder alle Seifenstücke) ab und überprüfe dein Rezept. Ist der Seifenblock schwerer als alle im Rezept befindlichen Zutaten (addiere die Gesamtfettmenge, das NaOH, die Flüssigkeit für die Lauge, das kosmetische Duftöl oder ätherische Öle und alle sonstigen Zusätze)? Wenn dein Seifenblock mehr Gewicht hat als alle Zutaten zusammen, dann gehe ich davon aus, dass du einen Wiegefehler hast und entweder zu viel Wasser oder zu viel Öl abgewogen hast. Lies bei (8) weiter, wenn dein Seifenblock weniger Gewicht hat als alle Zutaten zusammen und bei (11) wenn du keinen Wiegefehler feststellen konntest.

(6) Zu viel Öl verwendet: Ich habe mal unabsichtlich eine Seife 50 % rückfettend hergestellt. Jene Seife ist nie richtig fest geworden. Man konnte die Seifenstücke mit den Fingern zerdrücken. Duschen konnte man trotzdem damit. Die Seife war schnell verbraucht und es ist leider jede Menge Öl den Abfluss hinunter geronnen, aber das Seifenstück war cremig und pflegend (bitte keinesfalls absichtlich so ein Seifenstück herstellen, das ist eine Belastung für die Umwelt).

(7) Zu viel Flüssigkeit verwendet: Es kann auch sein, dass du zuviel Flüssigkeit für die Lauge abgewogen hast (und sich der Seifenleim aber nicht wie in (2) beschreiben getrennt hat). Dann musst du einfach nur warten, bis genug Wasser verdunstet ist. Ich hatte mal so eine Seife mit viel zu viel Flüssigkeit gesiedet, sie war sehr transparent und ich musste einfach viel länger warten bis genug Wasser evaporierte und die Stücke fest waren. Man konnte die Seife ganz normal verwenden!

Seife mit Laugenueberschuss
Bei dieser Seife hat die letzte Schicht, das blaue Dreieck oben, einen Laugenueberschuss.

Ist dein Seifenblock ist sehr weich er hat weniger Gewicht als alle Zutaten deines Seifenrezeptes?

(8) Dann hast du voraussichtlich eine Wiegefehler beim NaOH und beim Anrühren der Lauge zu wenig Natriumhydroxid verwendet. Damit wurden die Öle nicht gemäß deinem Rezept verseift und es sind viele freie Öle nach der Seifenherstellung in der Seife verfügbar.

Es Handel sich um das gleiche Problem, als hättest du zu viele Öle beim Sieden verwendet, lies bitte bei (6) weiter. Weißt du wieviel NaOH dir fehlt? Dann lies zur Problemlösung auch bei (9) weiter.

(9) Mir ist das auch schon passiert, dass ich mich beim NaOH verwogen habe. Da habe ich einfach mal 100 Gramm NaOH zu wenig abgewogen. Da ich durch Abwiegen des Seifenblockes recht eindeutig feststellen konnte, dass mir 100 Gramm NaOH fehlen (ich hatte ja auch eine Kamera beim Seifensieden mitlaufen), habe ich die richtig weiche Seife püriert und die fehlende Lauge ergänzt. Das kannst du dir in dem Video ansehen.

(10) Kurze Anmerkung: Wenn du zu viel NaOH abgewogen hättest, dann wäre die Seife nicht weich, sondern sehr hart. Du erkennst einen Laugenüberschuss daran, dass die Seife sehr fest ist und beim Schneiden ev. sogar bröckelt. Die Seife fühlt sich auch nach der Reifezeit von 4 bis 6 Wochen sehr austrocknend auf der Haut an, wenn du die (trockene) Seife angreifst. Miss den pH-Wert deiner Seife und kontrolliere, ob sie in Ordnung ist.

Ist deine fertige Seife eine Woche nach dem Sieden immer noch weich und du hast keinen Wiegefehler?

(11) Gut, dann müssen wir uns dein Rezept mal genauer ansehen.

Welche Öle hast du zum Sieden deiner Seife verwendet?

Es gibt Öle, die produzieren eine eher weiche Seife und Öle, die eine harte Seife produzieren. Das hat nicht zwingend damit zu tun, ob es sich um ein flüssiges Öl oder um ein festes Fett handelt, da es auch viele flüssige Öle (z.B. Olivenöl, Mandelöl, etc.) gibt, die eine harte Seife produzieren. Nichtsdestotrotz produzieren feste Fette eine eher feste Seife (die sich aber trotzdem im Wasser schnell aufweichen kann).

Öle, die eine sehr weiche Seife produzieren, sind zum Beispiel Rapsöl, Distelöl, Traubenkernöl, Sonnenblumenöl und noch einige mehr. Trotz Verwendung dieser Öle wird die Seife irgendwann so fest, dass man sie in Stücke schneiden kann. Verwende die Einfriermethode (4) zum Ausformen und warte ab. Wenn keine Wiegefehler (5) sind, dann kannst du die Seife auf jeden Fall verwenden!

Welche Zusätze hast du beim Sieden deiner Seife verwendet?

Es gibt Zusätze, die nicht für die Herstellung von Seifen geeignet sind wie etwa Totes Meersalz oder Epsomsalz (bzw. Bittersalz). Wenn du andere Zusätze in der Seife hast und oben genannte Fragestellungen bei dir nicht zielführend waren, dann schreibe mir bitte eine E-Mail. Das muss ich mir dann genauer ansehen: diane@seifenimglueck.com. Das interessiert mich auch persönlich! 

Hast du eventuell flüssige Zusätze verwendet, die die Flüssigkeitsmenge in deiner Seife erhöhen? 

Addiere deine flüssigen Zusätze z.B. Gurkenpüree zu deiner Flüssigkeitsmenge in der Lauge. Bist du über 40 – 50 % Flüssigkeitsanteil in Prozent zur Gesamtfettmenge (das heißt, du hast z.B. 400 bis 500 Gramm Flüssigkeit – flüssiger Zusatz plus Flüssigkeit in der Lauge – oder mehr bei rd. 1000 g an Ölen) im Rezept? Dann hast du einen sehr hohen Flüssigkeitsanteil und die Seife benötigt eine längere Reifezeit damit mehr Wasser evaporiert. Lies auch weiter bei (7) weiter.

Wie hast du deine Farben angerührt?

Das ist auch ein Thema das ich schon einmal passiv erlebt habe: Eine Teilnehmer*in hat zu Hause Seife gemacht und reklamiert, dass eine Farbe weicher ist als die anderen Farben. Sie hatte die Vermutung, dass es mit der Farbe selbst zu tun hat. Das kann prinzipiell passieren, da es Farben gibt, die den Seifenleim andicken lassen, wie etwa Titandioxid. Im Grunde dicken alle Oxide an – es gibt auch Micas, die Oxide enthalten z.B. Grüntöne oder auch Rosatöne denen Titandioxid beigesetzt wurde. Wenn du dann auch Farben hast, die nicht andicken, dann verhalten sich jene weicher in der Seife. Die Farben mit Oxiden werden fest.

Ausschlaggebend ist natürlich wieviel Öl du zum Dispergieren deiner Farben verwendest. Im Grunde muss sich die Farbe nur lösen, damit keine Klümpchen mehr in der Farbe bzw. anschließend in der Seife sind. Mehr brauchst du nicht. In meinem Crashkurs Seifensieden erläutere ich immer, dass man in etwa die 1,5-fache Menge an Öl nimmt. Nimmst du z.B. 1 TL Mica, dann verrührst du jenen in 1,5 TL Öl. Wenn 1 TL Mica in 3 EL Öl gelöst wird, dann wird der Teil an Seifenleim viel weicher in der Seife ausfallen, als die anderen Teile (gerade wenn es sich um einen sehr kleinen Teil an farbigen Seifenleim handelt).

Aus meiner Seife quillt es flüssig heraus!

Gut, das Beste habe ich mir natürlich für den Schluss aufgehoben. Da gibt es zwei Möglichkeiten, wie es passieren kann, dass Seife wie ein Vulkan überquillt bzw. ausläuft: Direkt nach dem Einfüllen in die Seifenform oder beim Anschneiden. Und letzteres ist natürlich mir passiert, aber das hebe ich mir dann wirklich als Highlight für den Schluss auf!

Warum quillt meine Seife wie ein Vulkan über?

Bitte beobachte deine Seife nach dem Einfüllen in der Seifenform. Im Normalfall wirst du deine Seife nach der Seifenherstellung mit Tüchern zudecken um die Hitze in der Seife für eine Gelphase zu nutzen. Kommt die Seife in eine Gelphase, dann lässt sie sich schneller ausformen (da sie schneller fest wird) und die Farben werden kräftiger. Eine Gelphase erkennst du, wenn die Seife während sie richtig heiß, fast transparent und durchscheinend wird. 

(12) Nun kann es auch passieren, dass der Seife zu heiß wird. Du erkennst das, wenn sich während der Gelphase an der Oberfläche der Seife Öltropfen bilden. Wenn du das beobachtest, dann hole die Seife am besten gleich aus den Tüchern und sorge dafür, dass sie abkühlen kann. Wenn du in der Seife anheizende Zusätze wie Honig verwendest, dann solltest du auf keinem Fall die Seife isolieren (nicht in Tüchern warm halten). Beobachte die Seife auch, wenn sie schnell fest geworden ist (Blitzbeton) z.B. durch ein andickendes kosmetisches Duftöl. Auch hier kann es zum Vulkanausbruch kommen.

Problemlösung: Gieße die Seife wieder zurück in eine Rührschüssel (oder einen Topf) und versuche eine homogene Masse herzustellen. Danach kannst du die Seife wieder Einformen, Beobachten und kühl halten.

Beim Anschneiden meiner Seife fließt Flüssigkeit aus meiner Seife heraus!

Schau dir mal das Video an, ist das nicht verrückt? Eine Seife wie ein Mon Cheri – wenn man reinschneidet kommt Flüssigkeit raus. Im Grunde ist das gleiche passiert wie bei bei (12). Die Seife ist überhitzt und der Seifenleim hat sich getrennt. Aber nur im Inneren der Seife. Die Reaktion war nicht so heftig, dass ein Vulkan ausgetreten ist. Schade eigentlich, dann hätte ich sie retten können.

Schreibe mir gerne deine Geschichte in die Kommentare, gerne beantworte ich auch deine Fragen.

 

Alles Liebe, Diane

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