Salzseifen haben etwas Magisches: Sie sind hart, langlebig und schäumen wunderbar mild. Wenn dann noch ein abgelaufenes Wildkräutersalz aus dem Gewürzregal ins Spiel kommt, wird daraus eine kleine Komposition voller krautiger Aromen – und ganz nebenbei der perfekte Anlass, mal wieder mit recycelten Frischkäseverpackungen als Seifenform zu arbeiten. Eine ehrliche Geschichte über Resteverwertung, hartnäckige Düfte und eine Idee, die mein Seifensiederinnenherz höher schlagen lässt.
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Wenn das Gewürzregal die Seifenküche inspiriert
Manchmal beginnt eine schöne Seifengeschichte ganz unspektakulär. Ich bin auch unter der Woche in meinem Seifenstudio und gehe dort meinen Tätigkeiten als Unternehmensberaterin nach. Mittags mache ich mir gerne einen kleinen Snack – und da nutze ich seit Jahren mein Wildkräutersalz. Bis mich neulich das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz innehalten ließ: 2023. Hoppla.
Geschmeckt hat es trotzdem noch wunderbar (Salz ist eben Salz), aber irgendwie war es für mich der perfekte Moment, dem Salz eine neue Aufgabe zu geben. Was lag also näher, als die gesamte verbleibende Packung kurzerhand in den Seifenleim zu kippen und damit eine Salzseife selber zu machen? Ein bisschen wie Aufräumen mit Mehrwert: aus „abgelaufen“ wird „aufgehoben in einer schönen Seife“.
Vom Salzstreuer in den Seifenleim
Ich liebe Salzseifen ohnehin sehr: Sie sind hart, langlebig, schäumen mild und fühlen sich auf der Haut wunderbar an. Und mit einem Wildkräutersalz wird daraus eine kleine Komposition, in der die Aromen von Wiese und Garten mitschwingen. Beim Verseifen merkt man sofort: Hier waren Petersilie, Liebstöckel, Bärlauch, Schnittlauch und wer weiß was sonst noch alles mit von der Partie – und sie haben den Seifenleim entsprechend angereichert.
Gegossen habe ich die Seife in gereinigte Frischkäseverpackungen. Ja, du hast richtig gelesen. Diese kleinen rechteckigen Plastikbecher, die sonst nach dem Frühstück im gelben Sack landen, haben sich als wunderbare Seifenformen entpuppt. Die fertigen Seifenstücke sehen richtig hübsch aus – schlicht, gleichmäßig, mit einer angenehmen Größe für die Hand. Es muss eben nicht immer eine teure Seifenbox sein. Wiederverwerten geht auch.
Seifenformen – was sich alles eignet
Eine schöne Seife braucht keine teure Form. Im Gegenteil: Wer in der Küche und im Recycling-Eimer ein bisschen die Augen aufmacht, findet jede Menge Verpackungen, die sich wunderbar als Seifenform eignen. Hier ein paar Ideen, die sich bei mir bewährt haben:
- Frischkäseverpackungen (wie in dieser Wildkräutersalzseife): die kleinen rechteckigen Plastikbecher ergeben hübsche, handliche Stücke. Vorher gut auswaschen, trocknen, und es kann losgehen.
- Kleine Joghurtbecher und Pudding-Schälchen: ideal für runde Mini-Seifen, perfekt als kleines Mitbringsel.
- Tetra-Pak-Kartons (ohne Aluminiumbeschichtung, z. B. von Frischmilch): gründlich ausgespült, oben aufgeschnitten – ein klassischer Geheimtipp für Blockseifen. Lässt sich nach dem Ausformen einfach aufschneiden und wegwerfen.
- Pringles-Dosen (innen Plastik beschichtet): für runde Säulenseifen, die du in schöne Scheiben schneiden kannst. Gerne innen auch mit einer Plastikfolie auslegen (z. B. Overheadfolie).
- Riesen-Eiswürfelformen aus Silikon: kleine Gästeseifen, ohne dass du extra Formen kaufen musst.
- Schuhkartons mit Backpapier ausgelegt: für die ganz große Charge. Der Karton gibt Halt, das Backpapier schützt vor dem Seifenleim.
- Pralinenformen: für filigrane Motiv-Seifchen.
Zwei kleine Hinweise: Aluminium und unbeschichteter Karton sind tabu – Alu reagiert mit der Lauge, und nackter Karton saugt sich voll. Und bitte nur Verpackungen verwenden, die du gut reinigen kannst, damit keine Lebensmittelreste in deine Seife wandern.
Wenn die Nase mitredet
Beim Ausformen ist mir gleich dieser intensive Wildkräutergeruch entgegengeströmt – und ich muss ehrlich sein: Für mein zartes Näschen ist das nicht der perfekte Duft. Es riecht mir ein bisschen zu krautig. Aromatisch, ja. Aber Wellness-Duft? Eher nicht.
Natürlich wird sich während der 4–6 Wochen Reifezeit noch einiges verflüchtigen. Und doch bin ich nach mittlerweile zwölf Jahren Seifensieden erstaunt, wie intensiv dieser Geruch die Verseifung überstanden hat. Die Lauge ist alles andere als zimperlich, und herrliche Kokosdüfte und Co. verschwinden regelmäßig im Seifentopf. Doch diese Kräuter-Komposition hat sich durchgesetzt!
Ein kleiner Gedanke, der mich nicht mehr loslässt
Während ich also an meiner Seife geschnuppert habe, kam mir ein wunderbarer Gedanke, an dem ich dich teilhaben lassen möchte:
Ich gehe davon aus, dass das Salz selbst viel von dem Kräuterduft aufgenommen hat – über Jahre hinweg, schön langsam, dort im Gewürzstreuer. Und genau dieser im Salz „eingelagerte“ Duft kommt nach der Verseifung wieder durch. Das Salz wird zum kleinen Duftspeicher.
Und jetzt stell dir das mal vor: Was wäre, wenn wir Rosenblätter in Salz einlegen und dieses Rosensalz dann in eine Seife geben?
Eine Rosen-Salzseife, die nicht mit (unglaublich teurem) ätherischem Öl, sondern mit der echten, sanften, in Salz konservierten Rosenseele duftet. Das wäre doch wundervoll. Eine richtig stille, leise Rosenseife – getragen vom Salz, nicht vom Parfümöl.
Ich habe momentan kein Rosensalz zur Hand. Hast du eines? Oder hast du Lust, dieses Experiment mit mir zu wagen? Lass mich daran teilhaben, wenn du das Rosensalz schon einmal hergestellt hast – oder wenn du dich gemeinsam mit mir auf die Reise machst. Ich freue mich riesig über deine Erfahrungen, Bilder und Gedanken dazu.
Wildes Kräuter-Seifenrezept
Ein cremig schäumendes, mildes Seifenrezept, das auf heimische – auch tierische – Zutaten und pflanzliche Pflege setzt. Ich habe mich dabei am klassischen 25er Rezept orientiert und folgende Fette verwendet:
- 25 % Olivenöl
- 25 % Schafsfett
- 25 % Sonnenblumenöl h.o. (ölsäurereich)
- 25 % Kokosöl (raffiniert)
Wenn du die Seife rein pflanzlich herstellen möchtest könntest du die 25 % Schafsfett durch 25 % Palmöl ersetzten. Diese beiden Fette erzeugen eine feste und wasserstabile Seife.
Falls du ohne Palmöl auskommen möchtest, dann ersetzte die 25 % durch 15 % Kakaobutter und 10 % Avocadoöl oder Mandelöl.
Wenn du Links auf das Rezept klickst, dann bekommst du das oben beschriebene Rezept gleich direkt in einem Seifenrechner. Dort kannst du deinen Namen eintragen, das Datum wird aktualisiert und auch Fette ersetzen.
Video: Herstellung der Wildkräuter- salzseife
Im Video zeige ich dir wie ich die Wildkräutersaltzseife nach meinem Rezept „Wildkräuter-Salzseife“ herstelle.
FAQs
Häufig gestellte Fragen
Hast du weitere Fragen?
Schreibe mir doch einfach eine E-Mail (diane@seifenimglueck.com) oder hinterlasse unten stehend einen Kommentar, ich freue mich darüber!
Ja, absolut. Salz ist von Natur aus extrem lange haltbar – das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum bezieht sich meist auf Zusätze wie Jod oder Kräuter, nicht auf das Salz selbst. Für eine Salzseife ist abgelaufenes (Kräuter-)Salz die perfekte Resteverwertung. Wichtig ist nur, dass das Salz trocken und frei von Schimmel ist.
Eine klassische Salzseife enthält 10–100 % Salz, bezogen auf die Ölmenge. Für Einsteiger empfehle ich zu Beginn etwa 10 – 20 %. Wichtig: Verwende feines Salz (kein grobes Meersalz) und gieße die Seife zügig, denn Salzseifen werden sehr schnell hart.
Prinzipiell reift eine Salzseife wie jede kaltgerührte Seife mindestens 4–6 Wochen. Da die Schaumqualität durch das Salz leidet empfiehlt es sich die Seife länger reifen zu lassen: 3 bis 6 Monate. Sie wird mit der Zeit immer härter, milder und die Schaumqualität steigert sich. Lagere die Stücke luftig auf einem Küchentuch oder Gitter, damit sie rundum trocknen können.


