Weiße handgesiedete Seife mit und ohne Titandioxid-Pulver

Titandioxid in Seife

Viele meiner Teilnehmenden fragen mich, wie man schön helle Seifen bekommt und wie man Titandioxid dosiert. Ich selbst greife eher selten zum Titandioxid – meine Seifen werden aus einem anderen Grund hell. Aber der Reihe nach. In diesem Beitrag klären wir, was Titandioxid überhaupt ist und ob man es „natürlich“ nennen darf, was an der Diskussion um die Sicherheit dran ist und was nicht, wie du es richtig dosierst und verarbeitest, ohne dass es klumpt, und warum ich selbst kaum noch Titandioxid brauche und was ich stattdessen dauerhaft umgestellt habe.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Titandioxid?

Titandioxid ist ein weißes Pigment, das viele Dinge deckend weiß färbt – von Wandfarbe über Zahnpasta bis zur Sonnencreme. In der Seifenherstellung nutzt man es, um Seifen aufzuhellen oder ein deckendes Weiß zu bekommen, zum Beispiel als heller Hintergrund für kräftige Farben. Auf Verpackungen findest du es als CI 77891 (in Kosmetik) oder als E 171 (die alte Lebensmittel-Kennzeichnung).

Im Titelbild oben siehst du eine Hochzeitsseife bei der ich einen Teil vom Seifenleim mit Titandioxid gefärbt habe. Der cremefarbene Teil ist ohne Titandioxid und zeigt die natürliche Färbung des Seifenleims.

Ist Titandioxid natürlich?

Diese Frage kommt oft, gerade von Teilnehmer:innen, die möglichst naturnah sieden wollen. Meine ehrliche Meinung: nein, so richtig natürlich ist es nicht. Titandioxid muss aufwendig im Labor gewonnen und gereinigt werden, bis das feine weiße Pulver übrig bleibt. Für mich fällt es damit nicht in dieselbe Schublade wie eine Tonerde oder ein Pflanzenpulver. Das ist keine Wertung gegen das Pigment – nur eine Einordnung, damit du weißt, worauf du dich einlässt, wenn du „natürlich“ auf deine Seife schreiben möchtest.

Wie gefährlich ist Titandioxid?

Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, statt in Panik zu verfallen. Denn „gefährlich“ hängt komplett davon ab, wie das Pigment in den Körper kommt.

 

Essen: Seit August 2022 ist Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff E 171 in der EU nicht mehr erlaubt. Die europäische Behörde EFSA konnte nicht mehr ausschließen, dass es beim Verschlucken das Erbgut schädigen könnte. Das betrifft aber das Essen – und Seife isst niemand.

 

Einatmen: Der Punkt, der uns beim Seifensieden wirklich angeht. Das trockene Pulver ist fein und staubt, und die Diskussion dreht sich vor allem um besonders feines, nanofeines Titandioxid – hier gibt es einen begründeten Verdacht, dass es beim Einatmen krebserregend sein könnte. Gott sei Dank kann man Titandioxid aber auch in nicht-nanofeiner Qualität kaufen.

 

Ich mache es mir da einfach: Ich kaufe bewusst nicht-nanofeines Titandioxid (achte beim Kauf auf die Bezeichnung „non-nano“). Arbeite ohne viel Staub zu erzeugen, atme es nicht ein – zusätzlich kannst du zur Sicherheit eine Maske tragen.

 

Auf der Haut: In Seife, die du benutzt und wieder abspülst, gilt Titandioxid nach heutigem Stand als unbedenklich.

Kurz gesagt: Das Thema ist nicht das fertige Seifenstück, sondern der Umgang mit dem losen Pulver in deiner Seifenküche.

Wie viel Titandioxid nimmt man?

Als Faustregel rechne ich mit 0,5 bis 1 % der Fettmenge. Für 1.000 g Öle sind das:

 

  • rund 5 g (0,5 %) – leichte Aufhellung, gut für zarte Pastelltöne
  • rund 7,5 g (0,75 %) – gutes, deckendes Weiß
  • rund 10 g (1 %) – kräftigstes Weiß, maximale Deckkraft

 

Für eine schöne weiße Seife bei 1.000 g Öle würde ich mit rund 8 g (in etwa zwei gehäufte TL) einsteigen und beim nächsten Mal nachlegen, wenn mir das Weiß noch nicht reicht.

Noch etwas Wichtiges: Titandioxid „schluckt“ deine Farben nicht, wie man manchmal liest. Es macht die ganze Seife nur pastelliger. Wenn du also kräftige, satte Töne willst, ist ein deckend weißer Untergrund nicht immer dein Freund.

So verarbeitest du Titandioxid richtig

Der wichtigste Satz zuerst: Gib das Pulver niemals trocken in den Seifenleim. (Sobald man Öle und Lauge zusammenmengt nennt man das Seifenleim, die noch flüssige Seife.) Wenn du das Pulver nicht vorher auflöst, hast du später weiße Klümpchen in der Seife – und beim Händewaschen läuft dir womöglich weiße Farbe heraus.

Du löst Titandioxid vorher in einer Flüssigkeit an – zu einer glatten, weißen Paste. Dafür gibt es zwei Wege, und es gibt tatsächlich Pigment, das sich eher in Wasser löst, und welches, das sich eher in Öl löst. Ein Blick auf die Produktbeschreibung deines Anbieters hilft.

In Wasser anrühren

Nimm etwa die zweifache Menge Wasser zum Pulver (z. B. 2 TL Titandioxid, 4 TL kochendes Wasser). Ich verwende dafür gern kochendes Wasser aus dem Wasserkocher – darin löst es sich schneller. Zum Anrühren eignet sich ein kleiner Milchaufschäumer (der „Cappuccino-Rührer“) sehr gut.

In Öl anrühren

Verrühr das Pulver mit etwas Öl – entweder zusätzlich oder aus deinem Rezept. Auch hier: 2-fache Menge Öl zum Pulver. Wenn es sich nicht gut verrührt, dann noch etwas Öl hinzufügen (siehe Video ganz unten). Das lässt sich später oft schöner in den Seifenleim einarbeiten.

 

Anrühren geht wieder gut mit dem Cappuccino-Rührer – oder, noch besser, mit einem kleinen Spatel (Mini-Maurerkelle): Dazu das Titandioxid auf einer Unterlage mit dem Öl „zerquetschen“, von links nach rechts schieben, wieder drücken, schieben, bis eine weiße Paste entsteht.

Tipp: Ich rühre das Titandioxid in warmem Öl an, fülle es in eine kleine Quetschflasche mit Schraubverschluss und gebe ein paar Edelstahlkügelchen dazu. Vor dem Gebrauch kurz schütteln – so verklumpt nichts und ich habe meine weiße Paste immer griffbereit, falls eine Teilnehmer:in kurzfristig dringend Weiß braucht.

Und ein Hinweis, falls du überlegst, das Pulver in die Lauge zu geben: Dann färbt sich dir der ganze Laugenbehälter weiß, und du siehst nicht mehr, ob sich das Ätznatron vollständig gelöst hat. Ich rate davon ab.

Meine Bezugsquelle für Titandioxid ist das Titandioxid-Pigmentpulver bei YouWish (Werbung / Partnerlink).

Partnerlink von YouWish: Für dich bleibt der Preis genau gleich. Für mich ist es eine kleine Unterstützung, mit der ich weiter kostenlose Inhalte für dich machen kann. Vielen Dank, wenn du ihn nutzt.

Titandioxid in Öl anrühren

Hier habe ich auf einer Unterlage helles Öl verteilt (z.B. raffiniertes Olivenöl oder Mandelöl) und darauf Titandioxid gegeben und mit dem Mini-Spatel (vom Malerbedarf) beides vermengt.

Warum ich selbst nur noch selten Titandioxid verwende

Jetzt zu der Frage vom Anfang. Meine Seifen werden hell – aber das liegt nicht am Pigment, sondern an mehreren Dingen, die ich beim Sieden über die Jahre dauerhaft umgestellt habe.

Der für mich größte Hebel ist die Ölauswahl. Ich setze bewusst auf ein helles, günstiges Olivenöl mit raffiniertem Anteil – das aus dem Diskonter tut es hier völlig. Kaltgepresste, unraffinierte Öle bringen viele Fettbegleitstoffe mit, und die machen die Seife gelblicher. Genau diesen Gelbstich mögen weder ich noch meine Teilnehmer:innen.

Das ist einer der Faktoren – es kommen noch ein paar dazu, von der Rezeptgestaltung bis zur Führung des Siedeprozesses.

Weiße Seifen ohne Titandioxid

Über all das rede ich am ausführlichsten in meinen beiden Kursen:

 

  • Im Kurs Swirltechniken zeige ich dir, wie du helle, saubere Untergründe für richtig kräftige Muster hinbekommst.
  • Im Kurs Seifen natürlich färben gehen wir noch einen Schritt weiter: Dort stellen wir sogar bewusst weiße Seifen ganz ohne Titandioxid her und färben ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen.
Natürlich gefärbte Seife ohne Titandioxid
Seife ohne Titandioxid - natürliches Weiß

Titandioxid ist also ein nützliches Werkzeug, wenn du ein deckendes Weiß brauchst – aber es ist längst nicht der einzige Weg zu hellen Seifen.

 

Und du? Nutzt du Titandioxid, oder holst du dir deine hellen Seifen lieber über das Rezept? Schreib mir gerne in die Kommentare, ich freue mich über deine Erfahrungen.

 

Alles Liebe, Diane

Titandioxid mit Öl anrühren

Wenn es zu wenig Öl ist, einfach noch ein TL hinzufügen!

FAQs

Häufig gestellte Fragen

Hast du weitere Fragen?

Schreibe mir doch einfach eine E-Mail (diane@seifenimglueck.com) oder hinterlasse unten stehend einen Kommentar, ich freue mich darüber!

In der fertigen Seife, die du benutzt und wieder abspülst, gilt Titandioxid nach heutigem Stand als unbedenklich. Vorsicht gilt beim losen Pulver: nicht einatmen, wenig Staub erzeugen und am besten gleich zu nicht-nanofeinem („non-nano“) Titandioxid greifen.

Meiner Meinung nach nicht wirklich. Es wird aufwendig im Labor gewonnen und gereinigt. Wenn du „natürlich“ auf deine Seife schreiben möchtest, ist es also keine ideale Wahl.

Rechne mit 0,5 bis 1 % der Fettmenge. Für 1.000 g Öle sind das 5 bis 10 g. Für ein schönes Weiß starte ich mit rund 8 g und lege beim nächsten Mal nach, wenn es mir nicht weiß genug ist.

Bitte nicht. Trockenes Pulver gibt weiße Klümpchen in der Seife, das sieht unschön aus und beim Händewaschen kann weiße Farbe auslaufen. Rühr es vorher in Wasser oder Öl zu einer glatten weißen Paste an.

Beides geht. Es gibt Titandioxid, das sich eher in Wasser löst, und welches, das sich eher in Öl löst – ein Blick auf die Produktbeschreibung hilft. In beiden Fällen nehme ich etwa die doppelte Menge Flüssigkeit zum Pulver.

Das ist Titandioxid, das nicht in besonders feiner Nano-Größe vorliegt. Genau um dieses nanofeine Pulver dreht sich der Gesundheits-Verdacht beim Einatmen – deshalb kaufe ich bewusst die non-nano-Qualität.

Es „schluckt“ die Farben nicht, macht die Seife aber insgesamt pastelliger. Wenn du kräftige, satte Töne willst, ist ein deckend weißer Untergrund nicht immer dein Freund.

Ja. Ein Faktor ist die Ölauswahl – ein helles, raffiniertes Olivenöl statt kaltgepresster Öle macht hellere Seifen. Das ist einer von vielen Faktoren – da gibt es aber auch noch viel mehr zu sagen und wesentlichere Stellschrauben, dazu mehr in meinen Kursen Swirltechniken und Seifen natürlich färben.

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Seifensieden lernen mit Diane Schmid

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